Dramaturgie

„Leporellos Tagebücher“ ist eine moderne Fassung des „Don Giovanni“ für 5 Solisten, 5 Chorherren und 6 Instrumente, frei nach Lorenzo daPonte. Musik von W.A. Mozart. Neuer Text und musikalische Bearbeitung von Fabian Dobler.

Wozu bearbeitet man ein Meisterwerk?

Seit der Uraufführung des „Don Giovanni“ am 29. Oktober 1787 ist einiges passiert. Unsere Welt ist eine andere und unser Leben unterscheidet sich deutlich von dem der Menschen jener Epoche.

Und doch gibt es Dinge, die sich nicht ändern – Gedanken, die uns treffen und Emotionen, die uns berühren.

Auf der Suche nach diesem Kern des Menschlichen ist es gerade sehr modern, dass Aufführungen klassischer Musik versuchen, sich in die Vergangenheit zu denken. Alles soll so klingen wie bei der Uraufführung. Aber das ist ein Denkfehler, dadurch erzeugt man nicht Nähe sondern Distanz zum Werk. Man stellt Werk und Zuschauer ins Museum, in die Vitrine hinter Glas.

Doch wir leben heute, haben andere Erfahrungen und andere Erwartungen. Unsere digitale Informations-, Arbeits- und Unterhaltungswelt dreht einfach schneller. Wenn wir ehrlich sind, brauchen wir etwas anderes:

Eine heutige, verdichtete Fassung, die den Konflikt auf den Punkt bringt. Eine Oper über die Oper. Ohne Brimborium, aber überraschend, dramatisch, erotisch, moralisch und komisch.

Im Grunde nichts anderes als das, was „Don Giovanni“ für das Publikum seiner Zeit war.

„Leporellos Tagebücher“ folgt dieser Idee.

Und warum mit Guildo Horn?

Horns Leporello ist die perfekte Gegenfigur.

Er ist weder der schön singende junge Bassbariton, den man kaum von Don Giovanni unterscheiden kann, noch ist er der in die Jahre gekommene Bassbuffo, den im Publikum eh niemand ernst nimmt.

Als Erzähler kann er sich ans Publikum wenden, gewinnt den Saal mit einem flapsigen Spruch – aber in der Auseinandersetzung mit Don Giovanni muss er sich auf fremdem Terrain behaupten, sein Herr bestimmt die Regeln: Mozart-Gesang.

So wird Leporello als Figur erkennbar. Die elementare Rivalität zwischen ihm und Don Giovanni – die Energiequelle des Dramas wie der Komödie – offenbart sich wie von selbst.

Zusammengefasst:

„Dobler modernisiert die Mozartoper durch Reduktion, ohne sie zu beschädigen. Der Grundkonflikt von Lust, Moral und Tod wird so noch schärfer herausgearbeitet“ – Stuttgarter Zeitung.

 

Musik

Mozart ist vollkommen und Don Giovanni sein vielleicht größtes Werk. Die Schöpfungen dieses Jahrtausendgenies sind nicht zu verbessern. Seine Musik ist allumfassend.

Aber vielleicht wurden wir von dieser Musik schon zu oft berieselt, um sie noch wahrzunehmen. Alles so bekannt, so nett – und auch ein bisschen langweilig? Wie ein Bild, das so lange an der Wand unseres Wohnzimmers hängt, bis wir es nicht mehr sehen.

Mozart ist komplexer als wir zu wissen glauben. Auch nach mehr als 200 Jahren Aufführungsgeschichte verbirgt sich in seiner Musik noch Ungehörtes.

Man müsste sie wieder so hören können wie beim ersten Mal. Sie ganz neu erleben, überrascht, berührt, bezaubert sein von Mozarts Klängen, seiner zutiefst menschlichen Ausdruckskraft, der tiefen Weisheit und dem intelligenten Humor. Leporellos Tagebücher möchte dieses Ziel erreichen.

So alt, und doch so neu…

Das Werk ist eine Bearbeitung für modernes Kammerensemble. Nicht Kürzung und Reduktion des Aufwandes liegen im Fokus, sondern der Wille, Mozarts Musik authentisch in einer so noch nicht gehörten Version erklingen zu lassen. Durch Umstellungen und dramaturgische Verdichtung werden die Gegensätze größer und die Emotionen gesteigert. Der Idee hinter den Noten des Originals folgend wurde die Partitur von Grund auf neu aufgebaut – Interpretation geschieht hier schon durch die Instrumentation.

Der Effekt läßt sich am besten beschreiben mit einem Zitat über die Macht der Liebe: „so alt und doch so neu!“ (Richard Wagner).

Es funktioniert!

Unsere Produktion begeisterte Opernkenner und Guildo-Horn-Fans. Menschen, die vorher noch nie einen Ton von Mozart bewusst gehört hatten stimmten überein mit ausgewiesenen Opernkennern, die unsere Interpretation des „Don Giovanni“ komplett überzeugte.

Ein Kritiker brachte es auf den Punkt. Er beschrieb unsere Fassung als:

„100% Mozart“.

 

Reaktionen

„Was wir heute erlebt haben, ist die ZUKUNFT DER OPER“ – Inge Borkh in der Stuttgarter Zeitung

„Bravo, das war gut!“ – DIE ZEIT

„Diese Oper rockt“ – Süddeutsche Zeitung

„Opernpremiere ein Erfolg“ – n-tv

„Retter der klassischen Oper“ – 3Sat Theatermagazin Foyer

„Außergewöhnlich hohes musikalisches wie dramaturgisches Niveau“ – Stuttgarter Zeitung

„Ebenso unterhaltsam wie musikalisch seriös“ – Schwäbische Zeitung

„Auf der Bühne geht der Punk ab“ – Süddeutsche Zeitung

„Das kleine Orchester: famos! Das kleine Ensemble: kraftvoll! Und Horn: ganz schön wacker!“ – DIE ZEIT

„Dem Genre-Trotter Horn stehen hervorragende Opernsänger zur Seite“ 3Sat – Theatermagazin Foyer

„Dobler modernisiert die Mozartoper durch Reduktion, ohne sie zu beschädigen. Der Grundkonflikt von Lust, Moral und Tod wird so noch schärfer herausgearbeitet“ – Stuttgarter Zeitung

„Doblers Arrangement (…) möchte die Partitur nicht als „Reliquie hinter Glas“ zeigen, bietet aber von der musikalischen Substanz her hundert Prozent Mozart“ – Schwäbische Zeitung

„Eine moderne, gekürzte Fassung, ein Medienstar und ein kleines Ensemble, das überall auftreten kann – so macht man Oper lebendig“ – 3Sat Theatermagazin Foyer

Leporellos Tagebücher

Musikalisches Kammerspiel nach „Don Giovanni“ von Lorenzo DaPonte
Musik – W.A. Mozart
Text und musikalische Bearbeitung – Fabian Dobler

Regie – R. Christian Kube
Visual Art – Dietmar Scholz
Musikalische Leitung ­ Fabian Dobler

Donna Anna – Monika Mannerström
Donna Elvira – Jennifer Davison
Zerlina – Katarzyna Mizerny
Don Giovanni – Douglas Yates
Leporello – Guildo Horn

Komturen – Esa Aapro, Herfinnur Árnafjall, Gerhard Fröhlich, Ulrich Ghisler, Stefan Holst Larsen, Remo Tobiaz

Violine – Olga Lukownikowa
Klarinette – Michael Kern
Violoncello – Tim Ströble
Posaune – Christof Schmidt
Kontrabass – Maya Valcheva
Klavier – Fabian Dobler

Licht Design – Felix Kirchhofer
Kostüme – Cordula Stummeyer
Inspizienz – Antje Steen

Dramaturgie – Karsten Bohn
Fotografie – scholzshootspeople
Video Editing – Bernd Schoch, Simon Quack

Künstlerische Gesamtleitung – Fabian Dobler

„Leporellos Tagebücher“ ist eine Produktion von [OPERASSION]©

Kontakt / Impressum

Fabian Dobler
Scheideholzweg 65e
21149 Hamburg

Bilder: scholzshootspeople

+49 (0)171 – 28 32 530
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